
ShitKid
Kulturclub schon schön, Mainz
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Für ShitKid gab es schon immer ein Enddatum. Seit ihrem zwölften Lebensjahr wollte Åsa Söderqvist Krankenschwester werden – sie mag Routinen, „manchmal ein ganz normales, langweiliges Leben“. Als sie 2016 begann, unter dem Namen ShitKid Musik zu machen, gab sie sich „fünf bis sieben Jahre“ Zeit, um sich zunächst als Rockstar auszutoben.
Diese fünf Jahre als ShitKid waren ein Wirbelsturm voller chaotischer Dynamik. Ein ganzes Archiv an musikalisch wild variiertem Material, produziert in einem fast schon absurden Tempo: eine Debüt-EP, aufgenommen auf einem kaputten Heimcomputer in Göteborg – jener Stadt, in die sie nach der Schulzeit gezogen war, um eine feministische Punkband zu gründen. Das Debütalbum Fish – verträumte, eigenwillige Pop-Perfektion. Der sanftere Minimalismus von This Is It, aufgenommen im Schlafzimmer und im Auto. Und [DETENTION]: eine herrlich ungestüme Pop-Punk-Platte über die Entfremdung an der Highschool, entstanden gemeinsam mit Bandkollegin Lina Molarin Eriksson und durchtränkt vom Geist jener Alben von Green Day und Good Charlotte, die sie als Teenagerinnen so sehr geliebt hatten. Dann folgte Duo Limbo / „Mellan himmel å helvete“ – wilder Punk, aufgenommen in L.A. mit den Melvins sowie in Austin mit Paul Leary von den Butthole Surfers. Dazwischen immer wieder weitere EPs und Singles. Roskilde, SXSW, Way Out West, The Great Escape. Iggy Pop und Billie Joe Armstrong als Fans. Laut Bandcamp „die eigenwilligste Musikerin Schwedens“. Und dann, ganz nach Plan, stieg Söderqvist aus.
Doch das Universum hatte andere Pläne. Während Söderqvist abwesend war – und sich, genau wie sie es immer geplant hatte, zur Krankenschwester ausbilden ließ –, tauchten neue Hörer in den ShitKid-Katalog ein. Ganz still und leise wuchs die Fangemeinde zu einer Kult-Anhängerschaft heran, die größer, jünger und internationaler war als je zuvor, solange sie noch aktiv gewesen war. „Vielleicht hatten die Leute vorher einfach keine Zeit, alles nachzuholen“, sagt sie. „Ich habe eine Menge Platten veröffentlicht. Und irgendwann haben sie sie dann entdeckt – und wenn man wächst, finden einen immer mehr Leute; das ist wie eine Art Spirale. Also kehre ich jetzt zurück in die Rolle des Rockstars.“
Das Jahr 2026 markiert das zehnjährige Jubiläum jener ersten Single – jenes ewig coolen, gehauchten Songs mit dem Titel „Oh Please Be A Cocky Cool Kid“. Söderqvist feiert mit einer ausverkauften Europatournee – die auch Städte umfasst, in denen sie noch nie zuvor gespielt hat – sowie zwei neuen Kompilationen. The Essential Vol. 1 versammelt die kantigen, scharfen und druckvollen, rocklastigen Highlights – jeweils zwei Titel von jedem Album; genau jene Stücke, die einen direkt an die Gurgel gehen. The Essential Vol. 2, das im September erscheint, zeigt die andere Seite von ShitKid: die Balladen, die sich langsam entfaltenden Stücke, die schweifenden, melancholischen Atmosphären. „Es ist wirklich schwer, eine Auswahl zu treffen“, sagt sie. Gemeinsam zeichnen die beiden Veröffentlichungen das Gesamtbild einer der eigenwilligsten und fesselndsten Karrieren der jüngeren schwedischen Musikgeschichte. Es zeigt sich: Fünf bis sieben Jahre waren wohl doch nicht ganz genug.


